„Ohne Musi koa Plattln!“

Aufsatz für die Sänger und Musikantenzeitung

 Im Mittelpunkt dieser Ausgabe der SMZ steht die steirische Harmonika, die Ziach wie wir sagen. Da darf natürlich auch ein Blick über die Verwendung dieses Instruments in der  wöchentlichen Probenarbeit der vielen Tanz- und Plattlergruppen im Bayerischen Trachtenverband nicht fehlen.

Sprach man zur Zeit der Gründung des Gauverbandes 1, vor 120 Jahren in der Steiermark, noch von „abscheulichen Zugharmoniken die allzuhäufig Verwendung finden“ und die Geigen verdrängten, so wurde dieses Instrument rasch zum musikalischen Begleiter der ersten Trachtenvereine in Oberbayern wie auf frühen Fotografien zu erkennen ist.

Man kann sogar behaupten, dass die Verbreitung des Schuhplattlers und der steirischen Harmonika zeitgleich verliefen.

Schuhplattler- und Volkstanzmelodien, sowie im bescheidenen Maße einfache Märsche, waren das Repertoire der Harmonikaspieler zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Gerade bei den ersten Harmonikaspielertreffen zwischen 1955 und 1965 die im Rupertiwinkel auf Initiative von Georg Öllerer sen. abgehalten wurden, war dies noch deutlich zu hören. Übrigens musizierten damals ausschließlich Mannsbilder. Weshalb im Folgenden der Einfachheit halber vom Probenspieler, ohne die heutigen Musikantinnen ausschließen zu wollen, die Rede ist.

Gelernt wurde das Harmonikaspiel nach dem Gehör. Der Probenspieler war vielfach der erste Lehrmeister für manch jungen Musikanten. Bevorzugt wurden Instrumente mit kräftigem Klang und mit viel Schwebung, um sich in der Probe, sowie besonders bei den bald folgenden Auftritten klanglich durchzusetzen.

Eine wichtige Funktion im Vereinsleben hat er heute noch, der „Vereinsmusikant“ oder die „Musikantin“. Dabei ist es bestimmt nicht zum Nachteil, wenn er selbst einmal das Schuhplatteln oder Dirndldrehen erlernt hat.

Welche Eigenschaften sollte unser Probenspieler also mitbringen? Er kann und sollte durch seine Spielweise eine hilfreiche Unterstützung für den Gruppenleiter sein. Abruptes Aufhören und spontanes Wiederholen ohne große Zeitverzögerung sind hier zu erwähnen. Genauso gefragt ist das schnelle Umsetzen von musikalischen Wünschen, oder ein plötzliches Vermindern der Lautstärke, welches wiederum Ruhe in die Probenarbeit bringen kann. Diese Fähigkeiten ergeben enorme Vorteile gegenüber dem Abspielen einer zusammengestellten Musik-CD für die Probe. Der Musikant steht dem Schuhplattler in der Wahl der Tempi gerade beim Lernanfang zur Seite. Er ist aber auf der anderen Seite, z.B. bei den Wertungs- und Preisplattln, gefordert die Tempovorgaben strikt einzuhalten.

Durch eine übertriebene Taktbetonung kann er den Kinder helfen den Zweier- und Dreierschritt zu erfahren und zu verinnerlichen. Da sich in den letzten Jahren die Auswahl der Tänze gerade bei den Kindergruppen geändert hat, oder sich ändern sollte, um zusätzlichen Schwung und Lebensfreude in die Probenarbeit zu bringen, ist auch der Hinweis auf die Wahl der richtigen Tonart bei gesungenen Tänzen wie Kickericki, Hansl tanz mit mir, usw.. (Es- oder F-Dur ist hier nicht geeignet) eine wichtige beratende Aufgabe für den Vereinsspieler.

Für die Zukunft wäre zu wünschen, dass unserer ziachspielenden Jugend das Probenspielen wieder mehr ans Herz gelegt wird. Bei geschickter Auslegung kann die Plattlerprobe zu einer zusätzliche Übungseinheit werden. Die Temposicherheit wird dabei gefestigt und auf das Bassspiel kann und sollte vermehrt Augenmerk gelegt werden. Ein spontan wechselndes Spiel der Melodien von der Zweistimmigkeit zur Dreistimmigkeit oder zum weiten Satz mit Oktav und Terz oder Sext ergibt einen lauten kräftigen Klang! Es fördert die Musizierfreude genauso, wie das variieren der Fingersätze zur Kräftigung z.B. des kleinen Fingers! Nicht zuletzt hat der Griffschriftspieler die Möglichkeit das unbedingt erfoderliche Auswendigspiel auszuweiten. Dies ergibt vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für unsere jungen Musikanten.

Den erfahrenen Vereinsmusikanten gilt an dieser Stelle Lob und Dank für ihr unermüdliches Wirken, meist auch über viele Jahrzehnte, zur Freude unserer Trachtenjugend und zum Erhalt unserer alpenländischen Kultur.

Auf geht`s zur Plattlerprob!

Hansl Auer